vortrag grube"Wir wussten nichts, wir ahnten viel..."
Mit dem Zeitzeugen Ernst Grube im Gespräch

Eine Reportage von Stefanie Sattler
(Leiterin Wahlkurs "Journalistisches Schreiben")

Da sitzen sie, die über 70 Schülerinnen und Schüler. Erwartungsvoll. Neugierig. Und ganz ohne zu müssen. Denn dieser Termin ist keine Pflichtveranstaltung, sondern ein Herzenswunsch der Neuntklässler, die gerne einmal mit einem Zeitzeugen aus der Nazizeit sprechen wollten, mit einem, der erlebt hat, wie schlimm die Diktatur der braunen Schergen war.
Der Zeitzeuge ist Ernst Grube: 83 Jahre alt, gebürtig aus München, mit grauen Haaren, dichten Brauen und akkurat geschnittenem Schnauzer. "Den Herrn Grube hab' ich mir anders vorgestellt", wird eine Schülerin später sagen. "Irgendwie trauriger. Weil er doch so viel mitmachen musste im Leben." Und tatsächlich: Ernst Grube ist ein Mann, dem, wenn er lächelt, etwas Spitzbübisches ins Gesicht geschrieben steht. Als sei der braune Terror spurlos an ihm vorübergegangen. Doch dem ist nicht so. Die so genannten Spuren der Zeit scheinen bei dem 1932 als Sohn einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters Geborenen nur recht gut verborgen zu sein.
Vor dem Gespräch legt sich Grube die Folien zurecht, von der in Schutt und Asche gelegten Münchner Synagoge beispielsweise, von Tante Erna, die in den Gaskammern von Belzec ermordet wurde, von ihm und seiner Frau in Theresienstadt vor der Gedenkstelle für die Opfer des NS-Terrors. Und dann beginnt er zu erzählen, während die Schüler seiner manchmal brüchigen, manchmal leicht heiser klingenden Stimme lauschen.

Heimat Kinderheim

Als die Münchner Synagoge in der Herzog-Max-Straße in Brand gesteckt und in der Folge abgerissen wird, wohnt der fünfjährige Ernst mit seiner Familie direkt daneben. Die Nazis wollen sie aus dem Haus vertreiben, stellen Wasser, Strom und Gas ab. Der Vater weigert sich - und muss doch irgendwann kapitulieren. Das Zimmer, in das die Familie ziehen soll, ist viel zu klein für fünf Personen. Was tun? Die jüngere Schwester ist gerade einmal vier Monate alt, als die Geschwister im jüdischen Kinderheim in der Antonienstraße in München-Schwabing untergebracht werden. Für die zuhörenden Schülerinnen und Schüler nicht vorzustellen. "Haben Sie später noch Kontakt zu Ihren Eltern gehabt, wo die Sie doch weggegeben haben?" "Das mussten sie ja", erklärt Grube. "Ich hatte zu meinen Eltern ein Bomben-Verhältnis, wenn ich einen solch militärischen Ausdruck benutzen darf." Überhaupt, die Zeit im Heim sei keine unglückliche gewesen, im Gegenteil. "Das Heim wurde in kurzer Zeit zur Heimat für mich. Die Frauen, die auf uns aufgepasst haben, wir nannten sie Tanten, waren sehr lieb", erklärt Ernst Grube, und auf seinem Gesicht liegt nun ein wehmütiges Lächeln. Warum die Erinnerung nicht nur schön ist, wird deutlich, als Grube weiterspricht. Denn schon früh spürt der Junge, dass er von an jetzt nicht mehr richtig dazugehört zum Rest der Welt.

Ausgeschlossen

Die Kinder müssen den gelben Stern tragen. Die ersten Deportationen setzen ein, denen er als Halbjude zwar zunächst entgeht, doch er muss mitansehen, wie seine Freundin Anita zusammen mit 22 anderen Kindern im Bus abtransportiert wird. Eine Tatsache, die der damals Neunjährige tagelang beweint und doch nichts daran zu ändern vermag. Wiedergesehen hat er seine damalige Freundin nicht. Grube besucht wie die anderen Kinder die Jüdische Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße, seine ehemalige Schule ist den "arischen" Kindern vorbehalten.
Doch inzwischen geht die systematische Ausgrenzung auch nicht mehr nur von Erwachsenen aus. Der Rassismus hat sich bereits tief in das Denken der Kinder aus der Nachbarschaft des Heims gegraben, die ihn auf der Straße beim Spielen beschimpfen und ihn nicht mehr mitspielen lassen, ihm "Hau ab, Saujud'!" entgegenbrüllen und ihn bespucken. An dieser Stelle seufzt Grube zwei-, dreimal. "Könnt ihr euch das vorstellen? Stellt euch das mal vor!" Grubes Stimme klingt jetzt aufgeregt. Er steht auf, humpelt - am Vortag hat er sich bei einem Sturz am Knie verletzt - um den Tisch herum, an dem er vorher gesessen hat. Er lehnt sich an den Schultisch, blickt in die Runde. Die Schülerinnen und Schüler schweigen betroffen.

Der Abtransport

Im April 1942 wird das Kinderheim schließlich aufgelöst und die Kinder mit ihren Betreuerinnen in das Sammel- und Deportationslager Milbertshofen im Münchner Norden gebracht. Ein "Ghetto", so Grube. 1945 wird er mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter nach Polen ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Als ein Schüler wissen will, was das Schlimmste war, was die Nazis ihm angetan hätten, antwortet Grube: "Der Abtransport aus dem Kinderheim." Der vollkommene Verlust von Heimat. "Wussten Sie denn, dass sie ins KZ gebracht werden?", fragt eine Schülerin nach. Grube überlegt kurz, legt den Kopf etwas schief und antwortet mit leiser Stimme: "Das ist nicht mit einem Wort zu beantworten. Warum bringen die uns noch in ein Ghetto?, haben wir uns damals gefragt. Man hat uns nie gesagt, wir bringen euch um, es hieß immer nur, ihr kommt zum Arbeitseinsatz, deswegen müsst ihr weg." Nach einer Pause fügt er hinzu: "Wir wussten nichts, aber wir ahnten viel..."

Überleben - aber wie?

Wie kann ein Mensch das alles ertragen? Wie ein solches Lager überleben? "Wir Kinder sind abends auf unseren Stockbetten gesessen, zu viert oder zu fünft auf einer Britsche, und haben über unsere Ängste geredet, das hat mit Sicherheit geholfen." In den Gesichtern der Schülerinnen und Schüler ist nun Unsicherheit abzulesen. Dann war Theresienstadt gar kein Vernichtungslager, sondern "nur" eine Art Ghetto? "Die Gewalt gegen Menschen hat verschiedene Formen", antwortet Grube. "Theresienstadt wurde für 6.000 Personen eingerichtet, doch dort waren 40.000 bis 50.000 Menschen. War das ein Leben?"
Die Befreiung durch die Rote Armee rettet ihm und seiner Familie schließlich das Leben. Im Juni 1945 kehrt er nach München zurück, wird Malermeister wie sein Vater, holt das Abitur nach und unterrichtet an der Berufsschule angehende Maler. Es dauert Jahrzehnte, bis er offen über seine Erlebnisse sprechen kann. Nicht weil er nicht konnte. "Von der Gesellschaft war's nicht so erwünscht, dass die Überlebenden darüber reden. Das hat sich erst in den 70er-Jahren geändert."

Weiterleben mit Bestimmung

"Was denken Sie, ist Ihre Bestimmung im Leben?", fragt da eine Schülerin mutig zum Abschluss. Da nimmt Grubes Stimme wieder an Festigkeit zu. "Durch meine Berichte Wissen zu vermitteln, wie sich Dinge entwickeln, damit ihr aus diesem Wissen Schlussfolgerungen für das eigene Handeln ziehen könnt. Das Ziel ist: nie wieder Krieg, nie wieder Rassismus, nie wieder Faschismus! Egal, wie ein Lager genannt wird, es ist einfach eine abzulehnende Lebensform." Damals wie heute. Deswegen setze er sich auch für Flüchtlinge ein, denn er könne das Elend dieser Menschen nicht mitansehen, die unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in Asylunterkünften lebten.
Applaus. Da sitzen sie, die über 70 Schülerinnen und Schüler. Etwas erschlagen wirken manche von den traumatischen Erlebnissen des 83-Jährigen. Andere scheinen noch nicht alle Fragen losgeworden zu sein. Die belagern den Gast anschließend, wollen noch mehr wissen. Es ist deutlich zu merken: Dieses Gespräch war wirklich ein Anliegen der Neuntklässler.

femaleVorsicht: Mädchen!

Ein Kommentar von Stella Heutling (Wahlkurs "Journalistisches Schreiben")

Links Jungen. Rechts Mädchen. So sehen bei uns die Gruppen aus, wenn sich die Klasse teilen soll. Nach fünf Jahren in der gleichen Klasse. Von außen könnte man denken, wir kennen uns nicht. Aber Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen? Nein! Nöö! Non! Auch wenn man auf dem Pausenhof schaut: hier die eine Gruppe, dort die andere, ordentlich nach Geschlechtern aufgeteilt. Denn bei allem anderem, zum Beispiel - huch! - Reden, könnten die anderen ja denken, man stehe auf denjenigen. Deswegen: Lieber auf Abstand gehen, Blickkontakt vermeiden, bloß nicht anschauen. Oder noch schlimmer: Wehe, man übertreibt das mit dem Smalltalk. Denn Reden ist fast schon Beziehung. - Und das wissen auch die Lehrer! Und machen sich daraus einen Spaß und setzen die liebe, zarte Madeleine neben den Rabauken Dominic. In der ersten Stunde klappt das auch, und es ist leise, doch schon ab der zweiten versuchen die beiden, vorsichtig miteinander zu sprechen. Man sieht, diese Methode hilft nicht unbedingt, die Klasse leiser zu machen. Irgendwie kann man dann scheinbar doch miteinander reden. Wohl nur mit gutem Vorwand. Vor einem Jahr starteten wir Mädchen übrigens dann doch dem Versuch, mit den Jungs in Kontakt zu kommen. Wir verbrachten die erste Geburtstagsfeier mit den Jungs - total erwachsen! Wie erwachsen wir waren, sieht man daran, dass wir uns sogar unterhalten konnten und Spaß hatten. Und dann stelle man sich Folgendes vor: Wir wurden nicht zurück eingeladen. Was für eine Enttäuschung! Kein Interesse von den Jungs aus. Hätte Frau sich auch vorher denken können.

Journalistischer Schreibkurs
06/2015, 9. Klasse

p seminar lebenswert

„Das kalte Wasser ist schnell wärmer geworden."

Das P-Seminar mit Interviewten bei der Präsentation ihres Films „Lebenswert" in der Cafeteria des Theresien-Gymnasiums

Zwei Jahre Arbeit stecken in ihm und dann war es so weit: Der Film „Lebenswert" des gleichlautenden P-Seminars wurde in der Cafeteria des Theresien-Gymnasiums vorgeführt. Unter der Leitung von Sozialkundelehrer Johannes Schittler filmten und interviewten die Abiturienten des Jahrgangs 2013/15 Menschen mit einer packenden Lebensgeschichte. Ziel des Films war es zu zeigen, was das Leben der sechs interviewten Personen für sie persönlich lebenswert macht. Der journalistische Schreibkurs hat nachgehakt. Amelie Loder (Foto: 6. Person von links) über das P-Seminar „Lebenswert".

Der Film, den du mit deinem P-Sminar gedreht hast, heißt „Lebenswert". Was macht denn dein Leben lebenswert?

Huh, das ist eine schwierige Frage. Die habe ich bisher nur anderen gestellt. (lacht) Also, ich würde sagen, Beziehungen zu Menschen, die mir wichtig sind, und - was auch einer unserer Interviewpartner gesagt hat - der Wissenszuwachs: neue Dinge zu erleben und zu erfahren, zu lernen, vielleicht nicht unbedingt in der Schule, aber im Leben.

Hat sich deine Auffassung zu dieser Frage denn durch das P-Seminar geändert?

Ich habe mich schon entwickelt im Seminar, aber ich würde sagen, dass sich der Lebenswert für mich durch das P-Seminar nicht verändert hat.

Was ist denn ein P-Seminar? Wenn du das einem Erstklässler erklären müsstest, was wäre deine Antwort?

Wir sind mit unserem P-Seminar ein bisschen am Ziel vorbeigeschrappt. Denn eigentlich soll es darum gehen, dass man eine Aufgabe, für die man schon die Methoden, also das Werkzeug, hat, zusammen löst. Aber wir wussten vorher nichts darüber, wie man einen Film dreht. Und es geht darum, zusammen ein Projekt durchzuführen, es geht also viel um Teamarbeit. Wir haben auch sehr selbstständig gearbeitet, was ich ziemlich wichtig und gut finde.

Wofür steht das P? Für „Projekt"?

Nein, für „propädeutisch".

Propädeutisch. Es soll die Schüler also auf ein Studium oder die Arbeit vorbereiten, weil darin das Projektmanagement mittlerweile eine wichtige Rolle spielt. Würdest du denn sagen, dass dein P-Seminar in dieser Hinsicht erfolgreich war?

Herr Schittler hat uns da eine schwierige Aufgabe gegeben und wir hatten schon Probleme damit, was uns aber im Nachhinein ein ganz gutes Gefühl gibt, weil wir es gar nicht so schlecht gemacht haben, die Aufgabe zu lösen.

Ein Erfolg auf ganzer Linie?

Wir hatten sehr viele Freiräume und das war für uns ziemlich schwierig, damit umzugehen, ohne Druck zu arbeiten. In dieser Hinsicht würde ich sagen, haben wir durch das Seminar nicht so viel gelernt, weil es uns immer noch schwer fällt, ohne Druck zu arbeiten.

Man muss uns Schülern erst auf die Füße treten, damit wir was tun?

Ja. Und ich bin deshalb auch nicht so begeistert von unserem Schulsystem, dass wir so viel kontrolliert werden und so viel nur tun, wenn wir es tun müssen. Das ist uns allen auch im Seminar klar geworden, dass wir das gar nicht mehr können, ohne Druck, freiwillig an etwas zu arbeiten. Das ist schon so fest in uns. Das konnte das Seminar daher auch nicht wirklich in uns ändern. Aber wir haben nun nach der Premiere des Films auf jeden Fall das Gefühl, etwas Schönes zusammen gemacht zu haben, weil es den Leuten gefallen hat.

Kann man also in der Schule tatsächlich was für´s Leben lernen?

Ja, schon. Viele bei uns im P-Seminar haben gesagt, dass das das Interessanteste war in der gesamten Schulzeit. Ich denke, ganz viel lernt man durch den Kontakt zu anderen Menschen und in der Schule, und ganz besonders im P-Seminar, hat man den.

Du hast ja gerade erklärt, dass nicht alles rund lief. Beschreibe doch mal für uns den Moment, in dem du ins kalte Wasser geworfen wurdest.

Die größte Überwindung war es für mich eigentlich, Menschen zu interviewen. Ich habe zwei Leute interviewt, der eine Mann saß im Rollstuhl. Und das ist ja schon schwierig. Für mich ging es zwar, weil ich über meine Eltern auch viel Kontakt zu Menschen mit Behinderungen habe, aber es war trotzdem... Naja, man macht sich mehr Gedanken dazu, wie man sich verhalten soll. Wir haben ihn das erste Mal getroffen, und das Schlimmste war eigentlich meine Angst im Vorfeld, dass ich irgendetwas nicht schaffen könnte oder dass etwas schief geht, aber in dem Moment, als ich ins kalte Wasser geworfen wurde, hat sich schnell herausgestellt, dass es gar nicht so schlimm ist.

Das kalte Wasser ist also schnell wärmer geworden?

(lacht) Ja.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Beate Fleps und Valentin Kurbel aus dem journalistischen Schreibkurs.

Von toten Ehemännern... und anderen Problemen

Ein Kommentar von Hannah Waldow (Wahlkurs "Journalistisches Schreiben")

Montag, erste Stunde: Französisch. Ex. Zweite Stunde: Englisch. Ausfragen. Worüber? Das Leben von irgendeinem uralten, längst verstorbenen König. Wie hieß der alte Knabe gleich nochmal? - Ach ja, Heinrich VIII. Ich werde also abgefragt. Und währenddessen frage ich mich die ganze Zeit über, wozu ich das in meinem Leben überhaupt irgendwann mal wieder brauchen werde. Etwa, wenn ich einmal nicht mehr weiß, wie ich meine Ehemänner um die Ecke bringen kann? Ja, das könnte nützlich sein. Die Ideen gehen mir vermutlich spätestens bei Ehemann Nummer 5 aus. Oder ich werde Expertin für die Geschichte Englands im 16. Jahrhundert, in zehn Jahren oder einem halben Jahrhundert. Was daran schlimm ist? Ist doch interessant. Allgemeinbildung. - Jaja, das Argument mit der Allgemeinbildung. Ich dachte schon, dass das kommt. Dieses Argument ist bestimmt von einem Menschen erfunden worden, der noch keine Rekordarbeitsschule erdulden und erleiden mussten. Denn eines ist klar: In dem Tempo, in dem Heinrich der Achte seine Frauen umbrachte (nicht alles, was sich reimt, ist eben lustig), bringt die Schule uns Schüler um. Reihenweise. Ohne dass es jemand merkt. Stunde für Stunde. Nicht direkt, so mit Blut und so. Aber mit Stress. Und Druck. Und Tempo, Tempo, Tempo. Was dabei stirbt, ist unsere Kreativität. Nein, zu dieser Beerdigung gibt es keine Kanonensalven. Schon gleich gar nicht aus dem Hause Tudor. Das Sterben geht leise und im 45-Minuten-Takt vonstatten. Du musst das Schuljahr schaffen, auf geht's! Lerne mehr, lerne schneller, lerne härter. Wer das sagt? Diejenigen, die es schon geschafft haben. Ein langer, langer Schultag liegt hinter mir. Zehnte Stunde: Latein. Die große Schlacht Cäsars. Jaaa, klar, von der muss jeder im Leben mal gehört haben. Ist mir gerade auch total wichtig. Ich hab ja keine anderen Probleme...

Journalistischer Schreibkurs
06/2015, 9. Klasse

js logoInterview mit einer Referendarin

„Noten geben macht keinen Spaß."

Das Theresien-Gymnasium ist Seminarschule. Für uns Schüler ist klar, was das bedeutet: Wir werden immer wieder von angehenden Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, sind routiniertes Testpublikum bei Lehrproben und ansonsten recht geübt in der Beurteilung der Junglehrer, die doch stets bemüht sind, uns gut zu unterrichten. Doch was bedeutet das Referendariat eigentlich für Referendarinnen und Referendare? Der journalistische Schreibkurs hat bei Andrea Wackerbauer einmal nachgefragt, wie ihre Sicht auf uns Schüler und ihre Ausbildung ist.

Hallo, Frau Wackerbauer. Sie kommen aus München und haben in den letzten Monaten als Referendarin an unserer Schule Deutsch und Englisch unterrichtet. Wollten Sie eigentlich in München bleiben?

Ja, ich wollte hier in der Stadt bleiben.

Hätten Sie noch andere Städte interessiert?

Ich hatte noch Bamberg und Regensburg angegeben, aber ich hätte mich, wenn es eine andere Stadt geworden wäre, dann wahrscheinlich für den nächsten Termin (Anm. d. Red.: Das Referendariat startet halbjährlich.) angemeldet, weil ich mir nicht so sicher war mit dem Referendariat.

Woran lag das, dass Sie unsicher waren?

In erster Linie, weil die Jobaussichten zur Zeit relativ schlecht sind. Ich habe während meines Studiums als Werksstudentin schon andere Berufe ausgeübt und ich dachte, nach so langer Zeit im Studium dann noch zwei Jahre Ausbildung dranzuhängen, um danach keine Arbeit zu finden, wäre sehr schade.

Und Sie haben trotzdem in der Schule angefangen.

Als der Brief dann da war, habe ich gemerkt, wie neugierig ich doch darauf bin, das erst einmal sehen zu wollen: Ist das überhaupt etwas für mich? Denn das Studium ist ja ziemlich theoretisch. - Und ich hab es auch noch keinen Tag bereut. (lacht)

Mich würde interessieren, wie man überhaupt auf die Idee kommt, Lehrer zu werden, nachdem man eigentlich zwölf oder dreizehn Jahre an der Schule war und das hinter sich hat. Wie kommt man bloß auf die Idee, dass man dahin zurück will?

Also ich hab mich in der Schule immer wohl gefühlt. Deutsch und Englisch waren auch schon immer meine Lieblingsfächer. Und ich habe auch schon immer mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet.

Und das war´s?

Vielleicht war es auch so ein bisschen ein Mangel an Alternativen: Ich bin wie die meisten anderen aus dem Abi herausgegangen, ohne jetzt wirklich zu wissen: Was kann man manchen, was will man machen.

Und da dachten Sie, mit einem Lehramtsstudium kann man nicht viel falsch machen?

Ich habe während des Studiums immer versucht, auch andere Dinge auszuprobieren, deswegen meine Jobs als Werkstudentin. Außerdem war ich zweimal im Ausland und habe Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Die Erwachsenenbildung fand ich auch sehr spannend. Ich habe also viel in andere Bereiche hinein geschnuppert, war mir aber nie so ganz sicher. Jetzt weiß ich: Lehramt passt. Und wenn es nach dem Referendariat nicht mit der Stelle klappt, mache ich was anderes und freue mich, dass ich immerhin zwei Jahre Lehrerin war. Ich will da offen bleiben.

Sie waren in der Schule bestimmt eine strebsame Schülerin.

Erst zum Abi hin, davor war ich eher eine, die schnell noch in der Pause gelernt hat (lacht). Ich war nie sehr faul, aber ich habe zu Hause nie viel gepaukt.

Verstehen Sie das also, wenn wir als Schüler die Hausaufgaben abschreiben oder Sie uns beim Spicken erwischen?

Die Perspektive ändert sich schon sehr im Referendariat. Ich verstehe auch erst jetzt, wie sich meine Lehrer damals wohl so gefühlt haben. Es ärgert mich beispielsweise oft, wenn ich mir denke: Eigentlich könnte euer Schülerleben so einfach sein, wenn ihr im Unterricht dabei wäret, aber natürlich habe ich auch Verständnis. Ich weiß ja auch: Nicht jeder mag Deutsch, nicht jeder mag Englisch. Klar, ich kann nicht erwarten, dass alle aus dem Q11-Kurs scharf auf den Faust sind.

Ich denke, viele Schüler sind Referendaren gegenüber so eingestellt, dass sie meinen, man kann sich da alles leisten. Nerven wir Schüler Sie eigentlich?

Ich glaube, dass meine Schüler das nicht denken, aber ich merke manchmal, dass der geringe Altersunterschied ein Problem ist. Ich habe ein paar Schüler in meinem Kurs, denen ist manchmal nicht so ganz klar, dass ich der Lehrer bin, die vergreifen sich manchmal im Ton - obwohl ich schon streng bin und auch klar sage, das passt und das nicht. Naja, aber solange letzten Endes klar ist, wer den Ton angibt, ist das, denke ich, in Ordnung.

Wie würden Sie denn das Verhältnis zwischen den Referendaren und den Stammlehrern beschreiben?

Tatsächlich kommt man gar nicht so viel miteinander in Berührung, weil wir ja unser eigenes Zimmer haben, das heißt, wir sind nicht so wahnsinnig oft im Lehrerzimmer, aber wenn, werden wir freundlich begrüßt. Wir wurden hier sehr wohlwollend aufgenommen, aber man lernt sich halt nicht so gut kennen.

Konkurrieren die Referendare untereinander? Gerade in einer Zeit, in der die Stellen rar sind?

Da habe ich vorher immer schlimme Dinge gehört, dass sich die Referendare gegenseitig versuchen, ein Bein zu stellen, aber bei uns ist das gar nicht so. Wir sind sehr kollegial und helfen uns sehr viel. Vielleicht denkt man sich manchmal, mmh, bei dem läuft´s viel besser als bei mir, aber das bezieht man eher auf sich: Vielleicht sollte ich das besser so machen...Aber wir gönnen uns da alles. Wir proben auch zusammen unsere Lehrproben und geben uns Tipps. Unser Verhältnis ist also sehr, sehr gut.

Was ist das für ein Gefühl vor der Lehrprobe?

Ich bin vor einer Lehrprobe natürlich nervös, weil da wahnsinnig viel Arbeit drinsteckt und es dann schade ist, wenn es nicht so gut läuft. Die sehr guten Noten werden außerdem nicht allzu häufig vergeben. Man kriegt den Termin drei Wochen vorher, und das sind dann Tage, an denen man sehr angespannt ist.

Da wünschen wir Ihnen für die nächste viel Glück!

Dankeschön.

Sie werden ja die ganze Zeit beurteilt, haben Sie eigentlich Mitleid mit den Schülern, wenn Sie diese schlecht beurteilen müssen?

Noten geben macht keinen Spaß. Das ist nicht schön, das muss ich ganz ehrlich sagen. Man gibt niemandem gerne etwas Schlechteres als eine 3. Eigentlich wird es ab den Vieren schon unangenehm, von Fünfen und Sechsen ganz zu schweigen. Das ist unangenehm, vor allem weil die meisten sich doch spätestens in der Prüfungssituation Mühe geben. Aber das gehört dazu und das muss man dann als Lehrer auch machen.

Danke für das Gespräch.

Das Gespräch führten Stella Heutling und Amelie Loder
aus dem journalistischen Schreibkurs.

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